Kitzrettung mit der Drohne

26.05.2024 Reken (bli). Dieses wenige Wochen alte Reh gehört zu den 32 Kitzen, die rund um Reken innerhalb von 18 Einsatztagen gerettet werden konnten. 

Seit Mitte April sind Mitglieder vom Hegering Reken wieder in den frühen Morgenstunden im Einsatz. Dann beginnt die Brut- und Setzzeit und die Mahd der Wiesen. In den ersten Wochen nach der Geburt versteckt die Ricke bei drohender Gefahr ihre Kitze unter dem Gras. Für die Kleinen droht der sichere Tod durch den Mäher.

Wir waren am letzten Samstagmorgen um 6 Uhr dabei und haben Ramona Nauhardt, Obfrau für Kitzrettung und André Dyckers vom Hegering Reken, Jagdpächter Ludger Schöttler sowie Landwirt Richard Flinkert, der am gleichen Tag die Dauergrünlandweide mähen möchte, begleitet.

Um die Jungtiere zu retten, werden die Flächen mittels einer mit Wärmebildkamera ausgestatteten Drohne von Nauhardt oder Dyckers abgeflogen. In einer Höhe zwischen 30 und 70 Meter je nach Bodentemperatur sucht das Fluggerät die Wiese ab. Wenn der Boden noch kalt ist, können warme Stellen durch die Kamera besser geortet werden, dazu gehören Tierkörper, Menschen und auch vom Sonnenlicht aufgeheizte Zaunpfähle. Auf dem schwarweißen Wärmebild werden diese Bereiche als weiße Punkte dargestellt. Um festzustellen, dass es sich um ein Kitz handelt, schaltet der Drohnenpilot um auf Farbbild und sucht die Position nochmal genauer ab. Bei einem positiven Bescheid gehen der Jagdpächter und eine Begleitperson vorsichtig bis zu der lokalisierten Stelle. Mit Hilfe eines Netzes wird das Jungtier eingefangen, und danach mit durch Handschuhe und Gras geschützten Händen, damit das Tier keinen menschlichen Geruch annimmt, in eine vorbereitete Kiste gelegt. Der geschlossene Behälter wird im Anschluss am Wiesenrand im Schatten abgelegt. 

Nachdem die Weide abgemäht wurde, legt der Jagdpächter das Kitz wieder möglichst nah an den Fundort ab. 

Neben Kitzen werden außerdem Junghasen, junges Wild und Gelege von Greifvögeln gesucht und geschützt. Beispielsweise beim Gelege-Fund von Brachvogel, Kiebitz und Weihe stecken die Helfer den Bereich weiträumig ab. Da diese Fläche nicht geerntet werden kann, erhalten die Landwirte als Entschädigung eine Gelegeschutzprämie. Der Hegering Reken arbeitet hierbei eng mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Biologischen Station Zwillbrock zusammen. Die Kitzrettung endet am 30. Juni, dann sind die Jungtiere alt genug, um eigenständig wegzulaufen. 

Nach 18 Einsatztagen wurden in 88,5 Einsatzstunden 322 Fläche mit rund 1.200 Hektar abgesucht. Dadurch konnten 32 Kitze und 12 Junghasen gerettet werden. 

Jedes Jahr fliegen die Teams vom Hegering teilweise mit zwei bis drei Drohnen in 150 Arbeitsstunden rund 2.500 Hektar ab und finden etwa 100 Kitze. 

Die Jäger machen darauf aufmerksam, dass in der Brut- und Setzzeit bis Ende Juni Leinenpflicht für Hunde besteht. Es dürfen keine Wildtiere angefasst und die Kisten nicht geöffnet werden.