Nach 40 Jahren wieder zurück in der alten Heimat

15.8.2016 Groß Reken (geg). Eigentlich hatte Alfred Schemmer seinen Lebensweg gefunden. Schon früh verließ er, das heißt direkt nach dem Abitur, die Heimat in Hülsten, studierte zunächst in Münster dann in Freiburg.

Der weitere Weg führte ihn nach London, Paris in den Staat Gabun in Zentralafrika, dann wieder nach Paris um letztendlich dann in Gabun seine berufliche Existenz als Dolmetscher/Sprachlehrer in Englisch, Französisch und Deutsch aufzubauen.
Zurückzukommen, das gehörte nicht zu seinem Plan. Er war in Afrika angekommen, fühlte sich glücklich dort in seinem afrikanischen Leben. Immer zwischen 25 und 30 Grad, zwar mit einer hohen Luftfeuchtigkeit „aber da gewöhnt man sich dran“ und die Mentalität der Menschen war für ihn unter anderem die Motivation in dem fernen Land ein Zuhause zu finden.
Und dann passierte etwas, was sein Leben völlig aus der Bahn warf. Er bekam eine Malaria. „Die Malaria hatte ich bereits mindestens 30 mal“, erzählte er. Ärzte bescheinigten ihm, dass er diese Krankheit wie ein Einheimischer „verarbeitete“. Alfred Schemmer erzählt: „Ich hatte drei Tage Fieber und das war's“. Bis Mai letzten Jahres. Er bekam eine zerebrale Malaria die ihn quasi heimatlos machte. „Der Krankheitsverlauf war so schwer, dass ein Freund mich ins Flugzeug gesteckt und in ein Düsseldorfer Krankenhaus hat verlegen lassen“, berichtet er. Und: “Ich konnte nicht mehr laufen, saß im Rollstuhl“. Glücklicherweise haben die Ärzte ihm helfen können. Heute kann er seine Beine wieder benutzen.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus stand er da mit zwei Koffern und war obdachlos. „Ich hatte hier in Deutschland ja keine Adresse," erzählt er. So war die erste Anlaufstelle das Haus Maria Veen bis alle Behördengänge erledigt waren und er somit in eine Wohnung ziehen konnte.
Angekommen in seiner alten Heimat ist er noch nicht. „Ich kenne kaum noch jemanden, beim Groß Rekener Schützenfest waren es drei Menschen aus der Rekener Vergangenheit die ich wieder getroffen habe, ich fühle mich hier fremd“, berichtet er. Zurück nach Afrika kann er aufgrund der (überstandenen) Krankheit nicht. Die Prophylaxe die man durchführen könnte, sei nicht als Dauermedikation, die er dann bräuchte, möglich.


Aber der 67jährige Alfred Schemmer ist auch kein Mensch, der die Hände in den Schoss legt und darauf wartet, das etwas passiert. Er lernte Albert  Paus und „Menschen für Reken“ kennen. „Das war ein absoluter Glücksfall für mich“, berichtet er. Er bot an, dort das zu tun was er sein Leben lang gemacht hat. Sprachunterricht geben. Ehrenamtlich versteht sich. Unterrichtsräume waren im Haus Maria Veen schnell gefunden, so dass im November letzten Jahres der erste Kurs startete. Mittlerweile ist er für ein kleines Entgelt bei der Gemeinde angestellt.
Seinen Unterricht gestaltet Schemmer - von dem die „Schüler“ immer auch etwas über die Kultur des Landes erfahren- nach dem europäischen Referenzrahmen in den Stufen A, B und C. Die entsprechenden Prüfungen legen die Flüchtlinge beim DRK ab und erhalten bei Bestehen dann das entsprechende Zertifikat, das man zum Beispiel zum Besuch einer Universität benötigt.
Mittlerweile hat wieder ein neuer Deutschkurs begonnen. Seine Schüler kommen aus Ghana, Kosovo, Marokko, Somalia, Pakistan, Bangla Desh und Guinea.
Beim großen Kinderfest am 24. September wird er ebenfalls am Stand von „Menschen für Reken“ zu finden sein. Mit afrikanischen Kuchen, die er selber backen wird.

 

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