Text und Fotos: Christina Illenseer
4.8.2016 Raesfeld
(pd).  Bewohner und Betreuer des Benediktushof Maria Veen,trafen sich jüngst mit Mitarbeitern des Naturparks Hohe Mark, sowie Bürgermeister Andreas Grotendorst, um den Tiergarten und die Gegend um das Schloss in Raesfeld auf Barrierearmut zu testen.

 

Barrierefreie Angebote gehören mittlerweile zum Standard und werden gerade in Zeiten von Inklusion immer wichtiger. Sie unterliegen aber auch strengen DIN-Normen, was sie manchmal wenig praktikabel im Alltag und recht kostspielig macht. Doch es müssen nicht immer gleich perfekt barrierefreie Lösungen sein. Oftmals reichen sogenannte barrierearme Maßnahmen - außerhalb der DIN-Norm – völlig aus, um kostengünstige, für behinderte Menschen gut nutzbare Angebote zu schaffen. „Man kann mit kleinen Dingen schon viel erreichen", bestätigt Bernhard Harborg vom Benediktushof.
Hierbei stehen die Bewohner des Benediktushof - der auch Naturpark-Partner ist – dem Naturpark als Experten zur Seite, indem sie wegweisende Tipps und Anregungen zum Thema Barrierearmut geben. Bei dem Treffen ging es primär darum, vorhandene Angebote und mögliche neue Maßnahmen zu bewerten. Speziell das Naturparkhaus, das Naturerlebnisgelände und eine kleine, 1km lange Runde am Rande des Tiergartens wurden unter die Lupe genommen. Viele Dinge sind hier bereits behindertengerecht. So gibt es im Naturparkhaus ein Behinderten-WC, einen Aufzug in die obere Etage zur Ausstellung zum 380 kV Erdkabelpilotprojekt und ausreichend Bewegungsfreiheit.


Auch der Tiergarten bietet grundsätzlich gute Möglichkeiten, von Menschen mit eingeschränkter Mobilität erkundet zu werden. Optimierungsbedarf besteht vereinzelt wie z.B. an einer Brücke am Schlossteich. So ist der Aufgang zur Brücke derart hoch, dass ein Rollstuhlfahrer sie allein nicht überwinden kann. Abhilfe kann hier durch etwas angeschütteten Schotter leicht geschaffen werden. Auch der Weg ist an dieser Stelle extrem schmal und liegt sehr nah am Teich. Hier würden ein Geländer oder einfache Balken als seitliche Begrenzung auf dem Boden Sicherheit geben. „Natur kann niemals barrierefrei sein", so Harborg weiter.
Ein weiteres Beispiel bieten die Informationsschilder zum Tiergarten. Für jemanden, der im Rollstuhl sitzt, sind sie zu hoch angebracht und daher schlecht lesbar. Mit nur wenig Aufwand könnten die Pfeiler gekürzt werden und so wären die Schilder für jedermann gut zu lesen. Für das Naturerlebnisgelände hatten die Experten in eigener Sache die Idee, einen Laubengang mit unterschiedlichen Bodenbelägen zu schaffen. „Das wäre nicht nur für Menschen mit Einschränkung interessant, sondern auch für Kinder reizvoll.", meint Herr Harborg.
Zukünftig möchte der Naturpark Hohe Mark – Westmünsterland als regionaler Partner auch seinen Mitgliedern, Partnern und den kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort Hilfestellung bei der Schaffung barrierearmer Angebote geben. „Das Treffen in Raesfeld ist ein Anfang. Wir möchten zukünftig Tipps für kleine Änderungen und weitere Tipps für mehr Barrierefreiheit an unsere Partner weitergeben, damit der Naturpark für noch mehr Menschen erlebbar wird.", meint Dagmar Beckmann, Geschäftsführerin des Trägerverein Tiergarten Schloss Raesfeld e.V. und des Naturpark Hohe Mark Westmünsterland e.V.. So soll der Naturpark für Menschen mit Geh- oder Sinnesbehinderung noch weiter zugänglich und erlebbar gemacht werden.
Nebenbei sind diese Maßnahmen ebenso für weitere Zielgruppen interessant. Familien mit kleinen Kindern, die noch mit Kinderwagen, Bollerwagen o.ä. unterwegs sind, profitieren z.B. von barrierearmen Wegen. Und auch die steigende Zahl älterer Menschen mit eingeschränkter Mobilität werden derartige Angebote umso mehr nutzen. „Jede Barriere weniger ist Lebensqualität.", so Bernhard Harborg.
Ein weiteres Beispiel für Zielgruppen übergreifende Maßnahmen sind Flyer, die in leichter Sprache geschrieben sind. Diese sind nicht nur für Menschen mit Behinderung relevant. Auch Kindern und Menschen mit Migrationshintergrund fällt es leichter, sie zu lesen und zu verstehen.
Letztendlich können durch die Zusammenarbeit des Benediktushofs und dem Naturpark Hohe Mark - Westmünsterland sinnvolle barrierearme Maßnahmen gefunden werden, die Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen dabei helfen, den Naturpark zu erkunden und zu erleben.
Bereits vorhandene barrierearme Angebote werden schon in Broschüren und auf der Internetseite des Naturpark Hohemark-Westmünsterland explizit ausgelobt. Es stehen Informationen sowohl zu Ausflugszielen, barrierearmen Einrichtungen als auch zu Naturerlebnissen zur Verfügung.

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