„Auch Bewegung kann Ruhe schenken“

Bericht von Hubert Breuer
25-ste Fuß- und Radwallfahrt zum St. Paulus-Dom nach Münster

30.04.2018 Klein Reken (pd). „Auch Bewegung kann Ruhe schenken“ haben Gundula Homann und Maria Ketteler-Droste als Motto für die diesjährige Münster-Wallfahrt gewählt.

Zum 25-sten Mal machen sich am letzten April-Samstag bei idealem Wanderwetter 32 Fuß- und 14 Radpilger mit 2 Begleitfahrzeugen auf den knapp 58 km langen Weg von Klein Reken zum Dom in Münster. Die Sinnhaftigkeit dieses Leitmotivs sowie der einfachen, aber sehr eindrucksvollen Texte an den 11 Stationen haben die Teilnehmer dieser 15-stündigen Pilgerwanderung sicher nachhaltig erfahren und können sie bestätigen. 

Der ehemalige Klein Rekener Pfarrer Josef Tenhumberg hatte diese Wallfahrt 1990 initiiert und bis 1995 organisiert. Nach 4-jähriger Pause übernahm die Kolpingsfamilie im Jahr 2000 die Organisation dieser Münster-Wallfahrt am letzten Samstag im April. Damaliger Anlass war ein Aufruf der Diözese Münster zum Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die in der damals verfassten Botschaft beschriebenen Themen und Ziele haben auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren.

Schon 1990 trafen sich die Fußpilger zur unchristlichen Zeit um 3:00 Uhr am alten Pfarrhaus. Wenn der Wecker morgens klingelt, fragt man sich: „Warum tue ich mir das überhaupt an?“ Blaise Pascal gibt die Antwort: „Bewegung ist unsere Natur, Stillstand ist unser Tod.“ Zumindest hat der Wettergott es diesmal gut mit uns gemeint: trocken, 16 bis 18 Grad, ein wenig Sonne, leichter Rückenwind. Also raus aus den Federn, ein kurzes, aufmunterndes Frühstück, ein letzter Blick auf die Füße, schon geht es Fuß für Fuß voran. Auf dem ersten Teilstück über den Gevelsberg nach Hülsten hat man Mühe dem schnellen Tempo der Kreuzträger zu folgen. Das erste Rosenkranzgebet im Brok hinter Hülsten bringt Ablenkung und Erleichterung.

Nach gut 16 km erwartet uns in Dülmen-Börnste unser Serviceteam Wolfgang Wortmann und Albert Paus. Zusammen mit Karin Wortmann haben sie in Kreuzwacht´s Scheune ein opulentes Frühstück serviert, das jedem guten Restaurant Konkurrenz macht. Reichlich Kaffee und andere Getränke, 120 belegte Brötchen, Eier, Tomaten, Obst, Süßes und Vitamine, es fehlt an nichts. Auf diese körperliche Stärkung folgt noch seelischer „Rückenwind“ vor dem Aufbruch Richtung Karthaus. Die Geschichte über die amerikanische Nonne Sr. Madonna Buder soll uns anspornen. Sie, auch „Iron Nun“ genannt, absolvierte mit 55 Jahren erstmals den „Iron Man“ auf Hawaii und ist mit über 80 Jahren die älteste Triathletin der Welt. Sie nutzt ihren Glauben als Kraftquelle und vertraut darauf, dass Gott ihr Rückenwind ist.

Foto: Natur in Limbergen

Zusätzliche Kraftquellen für die Pilger gibt es nach gut 24 km in Karthaus: Zeit zur Morgentoilette, Erfrischungsgetränke und zweites Frühstück sowie die besinnliche Morgenandacht in der Marienkapelle. Der weitere Weg führt durch die wunderschöne münsterländische Parklandschaft über Limbergen Richtung 

Bösensell. Es bleibt reichlich Zeit dieses Paradies zu genießen, die aufblühende Natur, den Morgengesang der Vögel und die unterschiedlichen Düfte mit allen Sinnen zu erleben, gute Gespräche mit den Mitpilgern zu führen, aber auch still über den Sinn dieser Wallfahrt und vielleicht des Lebens zu meditieren.

Foto: Pause am Hof Lückmann/Plogmaker

Am Hof Lückmann/Plogmaker in der Bauernschaft Heller werden die Pilger zum Angelus-Gebet um die Mittagszeit wieder herzlich empfangen. Langsam werden die Beine schwer, erste Wehwehchen machen sich bemerkbar. Es ist genug, ich kann nicht mehr! – und auf der anderen Seite: Du hast noch genug Weg vor dir! Nicht unendlich, aber ein Stück Weg. Erstmal sind alle dankbar für die Pause und die Sitzgelegenheiten in dem beeindruckenden Vorgarten. Das Zitat „Tippelbrüder sind wir alle, denn wir gehen in jedem Falle einmal auf die gleiche Art ohne Habe auf die letzte Fahrt.“ auf dem Denkmal hinter der Holzbank stimmt besonders diejenigen nachdenklich, die vielleicht in letzter Zeit einen nahestehenden Menschen verloren haben.

Das Mittagessen im Haus „Le Stagioni“ in Bösensell schmeckt den Pilgern diesmal besonders gut. Der Bischof Dr. Felix Genn hatte sich im Vorfeld dieser Jubiläumswallfahrt bereit erklärt, die Kosten dafür zu übernehmen. Trotzdem fällt es nach dieser Pause und nun 42 km besonders schwer, wieder „in die Gänge zu kommen“. Jetzt dient das Rosenkranzgebet wieder als Munter- und Schrittmacher. Der spürbare Teamgeist und die enge Pilgergemeinschaft geben zusätzlichen Antrieb. Beruhigend auch unsere Begleitfahrzeuge immer als „Notfallhilfe“ in greifbarer Nähe zu sehen. Unsere vier „Neulinge“, darunter auch Pastor Thomas Hatwig, können sicher leibhaftig von ihren Eindrücke berichten.

Letztlich werden auch diese 16 km überwunden, wenn auch teilweise mit großer Anstrengung und schmerzenden Beinen und Füßen. Wo bekanntlich ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Endlich gegen 17:40 Uhr erreichen die Pilger sichtlich geschafft den Dom. Das „Empfangskomitee“ mit Dompropst Kurt Schulte, Pastor Josef Tenhumberg, Schwester Gunthilde, den Radlern und Abholern applaudiert und gratuliert. Als die Pilger sich gegenseitig umarmen und beglückwünschen, werden auch ein paar Freudentränen sichtbar. Es ist vollbracht, trotz aller Müdigkeit und Schmerzen überwiegen doch Freude und Stolz über das Erlebte und Erreichte.

Foto: Gruppenfoto mit Dompropst und Pastor Tenhumberg vor dem Paulusdom

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto bittet der Dompropst zur Abschlussandacht in den Westchor des Doms mit dem barocken Hochaltarschrein. In seiner Predigt würdigt er diese Wallfahrt, insbesondere, dass die Pilger das Kreuz als sichtbares Zeichen des Glaubens vor sich her zum Dom tragen. Auch Pastor Tenhumberg bedankt sich, dass seine Initialzündung weiterhin gelebt wird. Renate Kuckuk, bei allen 25 Wallfahrten dabei, wird mit einem Erinnerungspräsent geehrt. Der Dompropst lädt anschließend alle zum „Weihwasser“ bzw. „Heiligenschein“ in den Kreuzgang ein, um auf das Jubiläum anzustoßen. Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren.

Foto: Abschlussandacht im Westchor mit Dompropst Kurt Schulte

Die große Faszination und Erfahrung dieses Tages und Weges geben einige Teilnehmer beim abendlichen Rückblick im Pfarrheim wieder. Dass Bewegung wirklich Ruhe schenken kann, bestätigt auch Pastor Hatwig. Er wolle die sonntägliche Predigt am nächsten Tag im Sitzen halten. Aber auch alle anderen Pilger freuen sich nach den Erlebnissen und Anstrengungen dieses Wallfahrtstages auf ein sanftes Ruhekissen zu Hause.

 

Wallfahrt nach Münster
 
Mich auf den Weg machen – Altes hinter mir lassen
Meiner Sehnsucht folgen
Anstrengungen in Kauf nehmen
Mich Gott öffnen
Den Fragen nach dem Sinn des Lebens nachgehen
Menschen begegnen und Freunde finden
An einem heiligen Ort Wurzeln schlagen
Ein Ziel erreichen – Mich neu ausrichten
Das alles und noch viel mehr ist wallfahren.

 

 

 

 

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