"Freie Fahrt in die weite Welt"
- Krieg und Frieden

07.11.2017 Klein Reken (bli). „Freie Fahrt in die weite Welt“ lautet der Titel des neuen Buches, das zur Zeit Erika Reichert schreibt und der Heimatverein Reken herausbringt.


Dieses Buch handelt von der Geschichte des Bahnwärterhäuschens „Posten 20“ in Klein Reken und der damit verbundenen historischen Eisenbahninfrastruktur, die in die ganze Welt führt. Die Rekener Eisenbahngeschichte wird von ihr neu erzählt, wobei der kulturhistorische Hintergrund erhalten bleibt. Sie hat hierzu viele Zeitzeugen gesprochen. Ebenso werden Persönlichkeiten vorgestellt, die einen Bezug zu der Bahnlinie haben. Zahlreiche Fotografien aus vergangenen Tagen und der heutigen Zeit untermalen ihre Geschichten.

„Stell dir vor, du stehst oben vor dem Bahnwärterhäuschen am „Posten 20“ in Klein Reken. Nun gehst du rechts die alte Treppe mit den zehn Backsteinstufen hinunter. Du biegst rechts auf den Mühlenweg ab. Es sind nur ein paar Schritte bis zu den Gleisen......“

Ende Oktober las die Autorin einige Auszüge aus dem Kapitel „Krieg und Frieden – Zeitzeugen berichten“ den Gästen in ihrem Haus vor.


Foto (von links): Christiane Schlautmann, Bernd Hensel, die Ordensschwestern Barbar Austermann und Annette Borgmann vom Ursulinenkloster in Dorsten , Rainer Gardian, Christhild Schmedding und Dr. Michael Mitchel, Erika Reichert

Alle haben etwas zu diesem Kapitel beigetragen. So wie der Künstler Rainer Gardian, der das Bild „Explosion am Bahndamm“ hierfür gemalt hat. Oder die beiden Ordensschwestern, die den Nachlass von Tisa von der Schulenburg (1903-2001), verwalten. Sie war ebenso Mitglied der Ordensgemeinschaft, nannte sich Schwester Paula und unterrichtete in der St.-Ursula-Schule in Dorsten. Tisa von der Schulenburg gehört zu den bekannten Persönlichkeiten, die in dem Buch von Erika Reichert beschrieben werden. Die Autorin wurde neun Jahre lang von Schwester Paula in der Schule unterrichtet. Damals fuhr sie täglich mit der Bahn von Reken nach Dorsten. Um mehr über die Geschichte der Ordensschwester zu erfahren, stand ihr Michael Mitchell mit seinem Wissen zur Seite. Der gebürtige Engländer, der schon lange in Deutschland lebt, hatte die Autobiographie von Tisa von der Schulenburg, mit der er auch persönlich bekannt war, ins Englische übersetzt.

Um weiteres Hintergrundwissen zu Tisa von der Schulenburg zu sammeln, wird Erika Reichert gemeinsam mit Freunden in den kommenden Tagen nach Tressow reisen, der Geburtsstadt der Ordensschwester.

Informationen zur Person Tisa von der Schulenburg:
Tisa von der Schulenburg wurde im Dezember 1903 in Tressow (heute Ortsteil von Bobitz in Mecklenburg-Vorpommern) geboren und starb im Februar 2001 in Dorsten. Mitte der 1920er Jahre studierte sie in Berlin und Paris Kunst. Sie lernte bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise Bertolt Brecht, Paul Levi, Albert Einstein sowie Heinrich und Thomas Mann kennen. 1928 heiratete sie den jüdischen Unternehmer Fritz Hess, mit dem sie 1933 wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach London floh. Durch ihr künstlerisches Engagement und Werken erlebte sie in 1930er Jahren das Elend der englischen Bergleute. Ihre Eindrücke hielt sie in Zeichnungen und Schnitzereien fest. (Einige der Bilder werden auch in dem Buch von Erika Reichert veröffentlicht.) 1938 ließ sie sich scheiden. Nachdem sie kurz vor dem Tod ihres Vaters wieder nach Deutschland gereist war, konnte sie nicht mehr zurück nach England. Ihr Bruder Fritz-Dietlof von der Schulenburg arbeitete während des 2. Weltkrieges gemeinsam mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Widerstand. Nach dem Hitlerattentat wurde auch ihr Bruder durch den Strang hingerichtet. 1950 entschied sie sich für das Leben im Dorstener Kolster St. Ursula als Schwester Paula. An der Realschule und später Gymnasium St. Ursula unterrichtete sie Kunstgeschichte und Zeichen.
In den Jahren danach setzte sie sich für den Bergbau im Ruhrgebiet ein und machte mit ihren künstlerischen Arbeiten darauf aufmerksam.

1972 wurde sie von der Stadt Dorsten zur Ehrenbürgerin ernannt.
1994 erhielt sie von der damaligen Bundesministerin für Frauen und Jugend, Angela Merkel das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr Lebenswerk und ihr ausgeprägtes soziales Engagement.

 

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