6.3.2015 Reken/Bocholt (geg).  Den Jakobsweg in Spanien zu wandern ist hip. Spätestens seitdem Hape Kerkeling „mal weg" war. Auch Georg Spogahn aus Bocholt ist ihn gegangen. Beim offenen Stammtisch der Rekener Farbmühle erzählte er davon. Nicht wenige der zahleichen Anwesenden verspürten danach den Drang den Rucksack zu packen und einfach loszumarschieren.


So ähnlich hat der Bocholter Künstler das auch praktiziert. Zuhause schon mal wochenlang wandern um fit zu sein? Fehlanzeige. Zweimal den Rucksack (11kg) bepackt und mal losgelaufen, um ein „feeling" zu bekommen, das war's, erzählte der Pilger. Doch ausführlich informiert habe er sich im Vorfeld natürlich.
Viele Legenden ranken sich um den Apostel Jakobus, zu dessen Grab die Wanderung führt, hat er erfahten. Im 15. Jahrhundert soll jener Jakobus in Gestalt eines Ritters den spanischen Truppen bei der Rückeroberung des Landes von den Mauren geholfen haben, berichtete Spogahn kurz auch etwas über Historisches.



















Heute ziehe der „moderne Pilger" keineswegs nur aus religiösen Gründen los. So muss das Pilgern auf dem Jakobsweg nicht zwingend die Suche nach Gott sein, sondern kann auch die Suche nach sich selbst sein – mehr ein spirituelles als ein religiöses Motiv. Das war es auch für Georg Spogahn, der Belastendes aus seinem Leben wegtragen wollte, um sich neu begegnen zu können. Deshalb suchte er beim Wandern auch nicht die Nähe anderer Pilger, sondern lief den Camino Frances gern allein. Von Herberge zu Herberge. 900km in sechs Wochen. Gestartet sei er jeden Morgen gegen sieben und meist gegen 14 Uhr am Tagesziel angekommen. Dann die Herberge ausgesucht, geduscht, Wäsche gewaschen, sich das Örtchen angesehen und den einen oder anderen Abend mit weiteren Pilgern verbracht, so sein Tagesablauf. Nur in Leon, circa 300km vom Ziel entfernt, gönnte sich Spogahn einen Tag Pause.


Gleich am ersten Tag beim Start in St. Jean Pied de Port wurde er dabei bereits ausgebremst. Voller Elan hatte er sich 30km vorgenommen, wollte von 200m auf 1.430 Meter aufsteigen, aber das eisige Regenwetter trickste ihn aus. Er traf Mario – einen von vielen „Engeln" auf dem Weg die ihm begegneten, wie er sagt- und der ihm riet, den Ein- und Aufstieg langsam zu absolvieren. Georg Spogahn hörte auf ihn und so war das erste Teilstück schon nach sieben Kilometer zu Ende.
Er traf auf seinem Weg den Buchautor Peter Gralch, der ebenfalls den Weg gegangen ist um ein Schicksal zu verarbeiten. Nachzulesen ist das in seinem Buch „Von Kap zu Kap".
Im Sommer 2011 pilgerte Peter Gerlach aus Dautphetal-Hommertshausen auf dem Jakobsweg. Er begann seinen Weg von seiner Haustür in Hommertshausen am Kap, oder besser gesagt von der bekannten Elisabethkirche in Marburg/Lahn, um durch Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela und weiter bis ans „Ende der Welt", dem sogenannten Kap Finesterre zu laufen. „Im letzten Jahr lief er den Weg, weil er ein Buch über die kulinarischen Köstlichkeiten des Jakobsweges schreiben möchte", berichtete der Bocholter Künstler.


Der Kopf des Pilgers Georg Spogahn ist voll von wundervollen Erlebnissen, berichtete er. Er habe zum Beispiel in einer Herberge übernachtet die einem Museum für Kuriositäten glich. „Da war alles zu finden, Bierdosen neben Marienbildern oder kleine Uhren und Skulpturen.
Er berichtete von einem Tisch voller Obst, der sich ihm mitten in der Landschaft von Galizien präsentierte, als er ziemlich von Durst geplagt gewesen sei. „Eine Frau kam mir entgegen und reichte mir eine saftige Wassermelone", erinnert er sich an den Moment der freudigen Überraschung. Um all das nicht zu vergessen hat er Tagebuch geschrieben. Sämtliche Kirchen- und Kathedralen am Weg habe er sich angesehen. „Faszinierend", urteilte er.


Ein Ziel auf seinem Weg war das „Cruz de Ferro". Das Kreuz steht auf dem höchsten Punkt des spanischen Jakobswegs am Monte Irago auf 1.500 Metern. Der Steinhaufen, in dem das Kreuz steht, wird von Pilgern stetig vergrößert. Der Brauch, einen Stein abzulegen und damit eine persönliche Last, gehört für viele Pilger zum Weg dazu. Auch Georg Spogahn hatte einen Stein in der Tasche, den er dort abgelegt habe, berichtete er.
Das erste Ziel der Reise, Santiago de Compostela erreichte er gleichzeitig mit einigen anderen Pilgern am frühen Morgen. „Das war toll", erinnert er sich. Der ganze Vorplatz der Kathedrale sei fast leer gewesen. Die Pilgermesse um 12 Uhr besuchte er und fragte danach seine Füße „Wie geht's Euch"? Und da diese ihm anworteten „Gut", fuhr er noch nicht zurück nach Hause, sondern begab sich noch einmal auf einen 93km langen Drei Tagesmarsch nach Finisterre.


An dieser Klippe, hat man dann auch bildlich das Ende vor sich. Hier geht es nicht mehr weiter. Bei Sonnenuntergang (auch Symbol für das Ende ) verbrennen die Pilger dann ihre Kleidung, um aus der alten Haut, in ein neues Leben (Haut) zu schlüpfen.
Seine ganze Kleidung verbrannte Georg Spogahn nicht, aber die Hose musste dran glauben.
Weitere Fotos
http://www.reken-erleben.de/index.php/bilder/sechs-wochen-auf-dem-camino-fotos-privat

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